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Hans Spinnler

HANS SPINNLER

COUNTRY  Switzerland
TOUR  Expedition Mount El Plomo & Aconcagua
DURATION  23 Days
ITINERARY  Santiago - Mount El Plomo - Mendoza - Aconcagua / False Polish Route - Santiago
ASCENTS  Mount El Plomo (5.430m/17.814ft) & Aconcagua (6.962m/22841ft)
Cerro Plomo und Aconcagua
Eine Zeitreise in die höchsten Andenregionen Südamerikas
14.02. - 09.03.2011


Reisebericht von Hans Spinnler, Master of Plomo (MOP), Basel, Switzerland

Nach 20 langen Reisestunden erreichen wir Santiago de Chile. Die Einreise mit all unserer Expeditionsausrüstung ist wie erwartet nicht ganz einfach. So ist es beispielsweise verboten, gewisse Esswaren nach Chile einzuführen. Jedes Gepäckstück wird gründlich durchleuchtet. Im Rucksack von Donata entdecken die gewissenhaften Grenzwächter unter anderem zwei Pack Studentenfutter. Dieses "Vergehen" kostet uns über eine Stunde Wartezeit mit anschliessendem Verhör und Bussandrohung. Nach diversen Erklärungen und Ermahnungen lässt man uns mit unseren Trekkingtaschen - gut gefüllt mit leckerer Schweizer Schoggi und Bünderfleisch - ziehen.

Wir verbringen diesen ersten Tag in Santiago, einer schönen, sauberen und modernen Grossstadt; sie sieht aus wie jede andere europäische Metropole. Chile ist das modernste und dank grossen Rohstoffvorräten das reichste Land Südamerikas.

Am nächsten Tag reisen wir mit unserem Trekkingbus auf einer kurvenreichen Strasse nach Parva (2700m) an den Fuss des Plomos.

Das Abenteuer kann beginnen!

Unsere Expeditionsgruppe besteht aus 4 strammen Männern (Donato, George, Guido und mir) aus der Schweiz sowie aus unseren 2 Bergführern, dem Schweizer Mischu und dem Schwarzwälder Hansi, der in Chile wohnt. In einer 3-tägigen Wanderung geht es zum letzten Lager Olla del Plomo auf 4200m hinauf. Bis dahin wird unsere Gepäck von trittsichern Maultieren getragen. Nun heisst es abladen, Zelte aufschlagen usw. Für mich ist es eine Premiere - noch nie war in meinem Leben so hoch gestiegen! Die grösste Höhe, die ich bisher zu Fuss erreicht hatte, war 3800 Meter (mit meiner Tochter Elena in Nepal beim Anapurnatrekking). Aber dies war im Vergleich dazu ein netter Spaziergang ......

Die Tage sind schön warm, oft scheint die Sonne. Die Nächte sind kalt, die Temperaturen bewegen sich im Minusbereich. Ich bin froh um den guten Schlafsack und das super-bequeme Mätteli, ich habe nie gefroren. Auch meine etwas spezielle Vorbereitung hat sich bewährt. So habe ich zuhause schon einige Nächte bei offenem Fester bei 2 Grad Zimmertemperatur geschlafen. Dazu übte ich das Bisle im Schlafsack, ein gar nicht so einfaches Unterfangen. Zuerst muss "Mann" die richtige Flasche mit einer genügend grossen Öffnung finden. Dann sollte man unbedingt darauf achten, dass man nicht mehr biselt, als in der Flasche Platz hat. Hilfreich ist auch, wenn man den Flaschendeckel unter der Decke wieder findet und ihn auch wieder korrekt aufschraubt... Erst nach x-fachem Wiederholen kann man sich sicher sein, dass alles klappt und man trocken bleibt!!

19.02.2011: Gipfeltag Olla del Loma (5450m)

Der Plomo galt bei den Inkas als heiliger Opferberg. Im Jahr 1478 soll hier ein 9jähriger Junge den Göttern geopfert worden sein. In Peru, Argentinien und Chile existieren insgesamt 18 solche Opferberge. Es war für die Kinder wie auch deren Eltern eine grosse Ehre, wenn man als Opfer ausgesucht wurde. Das Ritual bestand darin, dass man vom 3000km entfernten Cuzco, der damaligen Inkahauptstadt, in einer Monate langen Pilgerfahrt zum Plomo kam und diesen bestieg. Heute noch ist die Kultstätte zu sehen. In diesen trockenen und eisigen Höhen haben sich die Körper gut mumifiziert und sind deshalb auch so gut erhalten.

Um 3.00 frühmorgens stehen wir auf; nach einem heissen Tee geht es mit Stirnlampen in den Berg hinein. Es ist fast Vollmond, der Himmel sternenklar und eine unheimliche, aber wunderschöne Berglandschaft erstrahlt im matten Glanze. Fast geisterhaft bewegen sich unsere Schatten. Nach einer Stunde muss Guido leider schon aufgeben. Er hat ein beginnendes Lungenödem, das ihn schon auf einer früheren Reise plagte. Er kehrt alleine ins Lager zurück. Alle zwei Stunden gibt es eine kurze Rast. Das Wetter ist kalt und ich bin wirklich froh, meine dicke und gute Daunenjacke mitgenommen zu haben. In langsamen, regelmässigen Tritten geht es vorwärts und aufwärts. Das Atmen wird zum schweren Keuchen. Nach vier Stunden überlege ich mir, ob ich wie Guido umkehren soll. Denn mir ist auch klar, dass ich noch genug Kraft haben muss für den Abstieg.

Wir teilen uns auf. Donato und George gehen mit Mischu weiter, ich mit einem langsameren Schritt ziehe mit Hansi nach. Nach langen 5 Stunden geht vor mir die Sonne auf - ein unvergessliches Erlebnis hier oben!!

Wow, Hans - soeben hast du 5000m erreicht!! Nun weiss ich, dass ich es schaffen werde. Schritt für Schritt quäle ich mich die letzten 400 Meter dieses Berges empor. Immer mit der Frage im Kopf, was mache ich überhaupt hier oben. Als wir die Steigeisen anziehen, um über den Gletscher zu gelangen, geht es plötzlich besser, diese Wunderdinger krallen sich richtig fest, auch im Geröll halten sie. Ich fühle mich sehr sicher und das gibt mir auch wieder neue Kraft. Meine 3 andern Kompagnons kommen uns schon vom Gipfel entgegen.

Ich gehe weiter, Schritt für Schritt, Atemzug um Atemzug. Ein kalter Wind peitscht uns entgegen. Das letzte Steilstück will nicht enden... aber auf einmal, ca. 300 Meter vor mir - der Gipfel! Diese letzten Meter sind relativ flach und so kann ich sie beinahe geniessen.

Nach 7 Stunden Aufstieg endlich oben!! Hey, ich stehe auf 5450m Höhe!

Ich falle Hansi in die Arme und muss zuerst mal weinen, so erschöpft bin ich. Ein Teil der chilenischen Bergsteigergruppe, die bei uns im Lager um 02.00 Uhr gestartet sind, sind schon oben, die restlichen haben wir überholt, gar nicht so schlecht, denke ich mir. Wir werden wie Helden von ihnen empfangen. Ein Schluck Whiskey, ein Riegel, die Aussicht, das obligate Gipfelfoto mit der Schweizer Fahne und schon fast vergesse ich die Strapazen. Nach 20 Minuten beginnen wir mit dem Abstieg. Das Wetter wird schlechter. Im Viertelstunden- Rhythmus kommt die Sonne und dann schneit es wieder waagrecht von vorne. Es ist wie beim Segeln - der Wind kommt immer von der falschen Seite. In den Pausen muss ich mich zwingen, etwas zu essen, so erschöpft bin ich. Die Luft ist schon sehr dünn da oben. Ich nehme mich zusammen und konzentriere mich voll auf den zum Teil sehr schwierigen gerölligen Weg. Dennoch stürze ich 4-mal und merke, dass ich meine allerletzten Kräfte mobilisieren muss.

Nach vier Stunden erreichen wir um 15.00 Uhr wieder unser Lager. Ich bin fix und fertig und staune, was ich geleistet habe. Nach nur einer Stunde bin wieder ziemlich erholt und kann endlich mit Appetit essen. Mein Arthrosenknie, das ich zuhause gesund spritzen liess, hat zuverlässig gehalten. Nur meine Hüfte habe ich immer wieder gespürt, aber irgendetwas muss einem ja wehtun...

Intermezzo

Noch nie war ich so hoch, noch nie bin ich körperlich so gefordert gewesen, noch nie musste ich meine mentale Stärke so ausreizen und noch nie war ich so stolz auf meine körperliche Leistung. Es ist für mich so etwas wie das Durchschreiten einer Lebenswegmarke. Denn das Jahr 2011 markiert auch den Beginn eines neuen Lebensabschnittes: eine neue Beziehung, eine neue Ausbildung, das Geschäft zum grossen Teil verkauft, in ein paar Tagen erstmals Grossvater - all dies bedeutet Aufbruch, eine neue Epoche in meinem Leben. Das war ja auch mein Beweggrund für ein ganz spezielles time out - eben dieses Andenabenteuer: etwas ganz Besonderes, etwas, das mich immer an diesen neuen Lebensabschnitt erinnern würde. Vielleicht messe ich die Zeit nun in Plomo-Einheiten: 2 Jahre nach Plomo... Meine Freunde haben mir bereits einen neuen Titel gegeben - Hans Spinnler, Bergsteiger MOP (Master of Plomo).

Das Dach Südamerikas: der steinerne Wächter Aconcagua (6962m)

Wir kehren zurück nach Santiago und geniessen das gute Essen und die noch besseren Weine. Anderntags geht es weiter in einer 6-stündigen Autofahrt über die Anden nach Argentinien. In Mendoza ist nochmals Zivilisation angesagt mit dem Besuch eines Weingutes mit allen Drum und Dran. Bereits am nächsten Tag bringt uns der Bus an den Fuss des "Steinern Wächters", den Aconcagua, unsere nächste, fast unvorstellbare Herausforderung.

In einem unproblematischen 3 tägigen Aufstieg erreichen wir auf einer Höhe von 4200 Metern das Basislager Plaza Argentina. Der vierte Tag am Berg ist für die Akklimatisation reserviert. Zuerst geht es zum Medi-Check, jeder Bergsteiger/in muss vor der Besteigung sich von einem Arzt untersuchen lassen. Bei uns ist alles in Ordnung und wir bekommen den OK Stempel in unser Bersteiger-Permit. Danach leisten wir uns den besonderen Luxus und erkundigen unsere Route mit dem Heli. Dieser steigt auf Grund von ausgezeichneter Bedingungen, Wärme, Luftdruck etc. bis in eine Höhe von 6200 Metern auf. Mir wird schwindlig, als ich von oben unsere vorgesehene Route sehe: Hier müssen wir alles in mühsamem Fussmarsch hinaufkraxeln...!?

Die Krise

Am nächsten Tag steht der erste Materialtransport an. Wir bringen Esswaren ins Höhenlager 1 hinauf. Die erste Stunde - ich staune wie fit ich bin, es fällt mir überhaupt nicht schwer, vorwärts zu kommen. Aber dann wird es als wie schwieriger und härter. Ich fühle mich, als würde man einen Wasserhahn langsam zudrehen. Nach 4 Stunden ist einfach kein Saft mehr da.

Ausgepumpt. Ausgelaugt. Ausgeträumt.

Mit knapper Not erreiche ich das Höhenlager 1. Mir wird klar: "Das war es!". Weiter komme ich nicht und weiter will ich auch nicht mehr. Und so löse ich das Versprechen ein, welches ich meiner Familie und meinen Freunden gegeben habe: "Wenn es nicht mehr weiter geht, dann höre bitte auf. Du musst niemanden etwas beweisen." Ich kann es fast nicht glauben - auf nur "5100 Meter" geht es zu Ende! Ich bin doch schliesslich ein Bergsteiger im Rang eines MOP!

Beim Abstieg nehme ich wehmütig Abschied vom Berg, ich wäre gerne noch bis ins Hochlager 3 (6100 m) aufgestiegen, um dann hinten am Berg ins nächste Basislager nach Plaza de Mulas abzusteigen. Denn der Aconcagua-Gipfel ist für mich - das war eigentlich nach der Besteigung des Plomo klar - in weite Ferne gerückt.

Beim Aufstieg hat mich natürlich immer wieder der Gedanke beschäftigt, was ich überhaupt hier oben in dieser sehr kargen Bergwelt voller Geröll und Schuttpisten mache. Alles besteht nur aus Stein, Eis und Schnee. Keine Pflanzen, wenige Tiere, aber prächtige Landschaften. Da müht man sich tagelang ab, um einen Gipfel zu bezwingen. Danach bleibt man 5 oder 15 Minuten auf dem Gipfel und dann will man nur noch so schnell wie möglich hinunter. Es ist wie bei den Seglern, die den Atlantik überqueren. Drei Wochen Schräglage, einfaches Essen, kein Schlaf. Kaum am Ziel angekommen, flüchten alle von Bord und denken: "Weshalb hab ich mir das angetan? Warum habe ich alle dies Strapazen auf mich genommen?" Ähnliche Gedanken gehen mir auch jetzt durch den Kopf. Wieso machst du das alles, Hans Spinnler?

Unten im Tal muss ich auf Wunsch unseres Bergführers zur Basislagerärztin. Sie diagnostiziert eine Lungenbronchitis und ev. ein beginnendes Lungenödem. Sollte sich das am nächsten Morgen bestätigen, werde ich mit dem Heli ausgeflogen. Dies wäre in unserem Bergsteiger-Permit inbegriffen. Aber in der Nacht erhole ich mich so gut (und zudem bin ich schon Heli geflogen), dass ich auf dieses Angebot verzichte.

Abstieg, Ungewissheit und Wiedersehen

Ich verabschiede mich von meinen Freunden, die am gleichen Tag zum Höhenlager 1 aufbrechen, und steige mit meinem nun persönlichen Bergführer Hansi ins Ausgangslager Pampa de Leñas (2820m) ab. Wir legen an diesem Tag zwei Tagesetappen zurück und erreichen nach einem 10-stündigen Gewaltmarsch bei letztem Tageslicht unser Lager. Es gibt Wurst und Brot, danach schlafen wir bei herrlichen +9 Grad draussen, unter einem märchenhaften Sternenhimmel.

Anderntags geht es nochmals 6 Stunden talwärts, eine Nacht im Bergsteigerhotel mit Restaurant - was für ein Luxus! Anschliessend bringt uns der Trekkingbus an die Westseite des Aconcagua. Von dort aus reiten wir auf Maultieren - was für ein Vergnügen! - ins Camp Confluenzia (3400m), wo wir auf unsere absteigenden Gipfelstürmer warten. Am Abend hören wir über Funk, dass Donato 500 Meter vor dem Gipfel umkehren musste und nun gesund im Lager Plaza de Mulas angekommen sei. Aber es wird noch eine Person vermisst... Danach kommt die Meldung, dass Mischu alleine ins Lager zurückgekommen ist. Wir machen uns Sorgen: Was ist mit George passiert? Wo ist er? Ist er die vermisste Person? Warum ist er nicht bei Mischu geblieben?

Um 21.00 Uhr kommt die erlösende Meldung, dass auch George im Camp eingetroffen sei und es allen gut gehe. George war der einzige von uns, der mit Mischu auf dem Gipfel war (Laut einer internen Statistik der Parkranger erreichen nur 20% der Bergsteiger den Gipfel, ein erschreckendes Resultat, finden wir). Einen Tag später treffen sie alle um 15.00 Uhr in unserem Camp ein - glücklich, aber müde. Wir steigen nun alle gemeinsam ins Tal hinunter, froh, diesem Berg nun den Rücken zuzukehren und freuen uns noch auf drei gemütliche Tage in Valleparaiso am Meer...

Was bleibt, sind die wunderschönen Sonnenuntergänge, welche die karge Bergwelt in hundertfaches Goldbraun und Rot erscheinen lassen. Das meditative Gehen, Schritt für Schritt. Und die Gewissheit, dass in meinem zukünftigen Leben, eben nach Plomo, alles gut kommt. Es war eine sehr intensive Zeit; mental wie auch körperlich wurde ich an meine Grenzen geführt. Ja, es war einmalig, darum muss ich dies so nicht mehr wiederholen. Man kann das ganze Abenteuer auch ganz pragmatisch sehen - als eine sehr teure Abmagerungskur: Ich habe nebst einem guten Muskelaufbau auch noch 5 Kilo abgenommen...!

So, nun freue mich auf meine Zukunft als Grossvater. Und auf alle neuen Überraschungen, die das Leben einem so bereitet!

Hans Spinnler, Master of Plomo (MOP)


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