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08/10/09
INTERVIEW MIT PATRICIA SOTO
FRAUENEXPEDITION ZUM ACONCAGUA, DEM HÖCHSTEN BERG AMERIKAS IM FEBRUAR 2010

FRAUENEXPEDITION ZUM ACONCAGUA, DEM HÖCHSTEN BERG AMERIKAS IM FEBRUAR 2010 Der Aconcagua (6.962m / 22.841ft) ist der höchste Berg Amerikas. Er wurde zum ersten Mal am 14. Januar des Jahres 1897 durch den Schweizer Matthias Zurbriggen bestiegen. Später wurde er nach und nach zum Ziel von Bergsteigern aus der ganzen Welt. Der Hauptgrund für die heutige Popularität dieses Giganten ist die Tatsache, dass er zu den "7 Summits" zählt.

Südamerikas erfolgreichste Bergsteigerin, Patricia Soto, hat im Laufe der Jahre durch eine Vielzahl von Besteigungen dieses Berges eine ganz spezielle Beziehung zu ihm entwickelt. Sie war die erste Chilenin die den Gipfel des Mount Everest erreichte und ist bis jetzt die einzige Südamerikanerin, welche alle "7 Summits" erfolgreich bestieg. Trotz ihrer zahlreichen Rekorde ist der Aconcagua nach wie vor ihr Lieblingsberg.

Im Februar 2010 organisiert SPONDYLUS in Zusammenarbeit mit Patricia eine weitere und sehr spezielle Expedition zu diesem faszinierenden Berg an der Grenze von Chile und Argentinien. Es handelt sich dabei um die erste reine Frauenexpedition, die versuchen will, den 6.962 Meter hohen Gipfel über die legendäre Falsche Polenroute zu erreichen.

Hans-Martin Schmitt, Gründer und Inhaber von SPONDYLUS hat Patricia Soto bzgl. ihrer Beweggründe für diese Hochgebirgsexpedition befragt:

HANS: Patricia, Du hast den Aconcagua schon mehrere Male bestiegen. Wird das mit der Zeit nicht etwas langweilig?

PATRICIA: Den Aconcagua zu besteigen, ist etwas, von dem viele Bergsteiger träumen, doch viele von uns können sich das aufgrund der hohen Kosten solch einer Expedition leider nicht leisten. Das ist der Hauptgrund warum ich mehrere Jahre warten musste, bevor ich die Gelegenheit hatte, als Bergführerassistentin zu diesem Berg zu gehen. Das war im Dezember 1996 mit deutschen und österreichischen Kunden. Ich werde diese Tage nie vergessen. Das war ein unglaubliches Erlebnis für mich und seit dieser Expedition kam ich immer wieder zurück zum Aconcagua. In der Folgezeit habe ich achtmal den Gipfel erreicht. Ich wurde nie müde, immer wieder den gleichen Berg zu besteigen, auch weil ich im Laufe der Zeit tiefe Freundschaften am Berg mit Bergsteigern aus der ganzen Welt schließen konnte. Ohne dass es mir zunächst bewusst war, wurde der Aconcagua so etwas wie mein zweites Zuhause und eine wichtige Schule für mich…. Bis es Zeit wurde, ihn wieder zu verlassen. Die Antarktis war mein nächstes großes Ziel, doch nun hat mich der Aconcagua wieder gerufen und ich muss hin! Vielleicht wird dies mein letztes Mal ... wer weiß das schon?

HANS: Der Aconcagua war der erste Deiner "7 Summits". Hast Du auch deswegen eine ganz spezielle Beziehung zu diesem Berg?

PATRICIA: Erst nach der Besteigung des Everest habe ich überhaupt an die "7 Summits" gedacht. Doch der Aconcagua war meine Schule und hat mir vieles wichtige gelehrt, so zum Beispiel, dass die größten Gefahren eigentlich gar nicht vom Berg selber oder von Faktoren wie dem Klima ausgehen, sondern von den Leuten selbst. Sie sind die wahren Gefahren am Berg. Der Aconcagua hat mir Lektionen in Bezug auf Bescheidenheit und Demut gegeben, welche mich letzten Endes dazu brachten, sowohl die Berge als auch das Leben auf eine andere Art und Weise anzugehen. Jeder Berg ist speziell und kann Dich etwas lehren, doch es liegt an Dir, die Lektionen zu verstehen und zu lernen.

HANS: In Bezug auf die "7 Summits": Welche Erinnerungen rufen diese Berge bei Dir hervor?

PATRICIA: Das ist eine schwierige Frage, sie alle rufen Eindrücke und unterschiedliche Erinnerungen bei mir hervor. So wie ich vorher schon erwähnt habe, ist jeder Berg ganz speziell. Ich habe dieses Projekt sehr genossen und um ehrlich zu sein, bin ich nach der Besteigung des letzten Berges erstmal in ein Loch gefallen. Es ist mir schwer gefallen, da wieder raus zu kommen. Das davor und danach in Bezug auf die "7 Summits" waren sehr intensiv, für mich zumindest. Für andere mag das gar nicht soviel bedeuten aber für mich war dies ein Meilenstein in meinem Leben und deshalb will ich daraus auch meine Lehren für mein weiteres Leben ziehen. Dies genau ist die neue Herausforderung.

HANS: War es wichtig für Dich, die erste Chilenin zu sein, welche den Gipfel des Mount Everest erreichte und bis zum jetzigen Zeitpunkt die einzige Südamerikanerin die alle "7 Summits" bestiegen hat.

PATRICIA: Das war ja eher Zufall! In Wirklichkeit haben schon ein paar Frauen die "7 Summits" gemeistert. Eigentlich ist es ja ein schlechtes Zeichen, dass ich bis jetzt die einzige Lateinamerikanerin bin. Das spricht nicht gut über die Entwicklung und den Stellenwert dieses Sports in unserem Kontinent. Auf der anderen Seite sind natürlich nicht viele dazu bereit, die Strapazen und Entbehrungen, welches ein solches Projekt mit sich bringt, in Kauf zu nehmen.

Auf jeden Fall hoffe ich, dass sich mehr Frauen für solche Dinge begeistern und motivieren und vor allem, dass sie versuchen, ihre Träume zu realisieren.

HANS: Den Hauptteil Deiner beruflichen Karriere hast Du in den Bergen verbracht. Dabei warst Du in der Regel immer hauptsächlich von Männern umgeben. Wie siehst Du diese Tatsache.

PATRICIA: Das ist super! Männer neigen in der Regel dazu, den Beschützer zu spielen. Das führt dazu, dass man sich selber fast wie eine Prinzessin fühlt. Klar, es gibt natürlich auch diejenigen, die meinen Dir ständig beweisen zu müssen, dass sie Dir körperlich überlegen sind… doch solch ein Gehabe ignoriere ich einfach. Ich fühle mich nicht in einem Wettkampf, wenn ich am Berg bin. Es gibt immer einige die schneller und andere die langsamer sind. Letztlich kommt es aber auf die Sicherheit an. Ich versuche, mich auf mich zu konzentrieren und dazu beizutragen, dass meine Begleiter sowohl als Bergsteiger als auch als Mensch wachsen.

HANS: Wie kamst Du auf die Idee, mit einer reinen Frauengruppe zum Aconcagua zu gehen?

PATRICIA: Für mich ist das eine große Herausforderung. Ich weiß, dass es nicht einfach wird, eine reine Frauengruppe anzuführen. Wir Frauen konkurrieren untereinander mehr als Männer. Das kann am Berg zwar auch hilfreich sein, doch die Gefahr besteht, dass wir uns das Leben gegenseitig unerträglich machen. Diese Expedition ist eine Herausforderung, doch ich bin mir sicher, dass es für jede Teilnehmerin eine wichtige Erfahrung wird und dass wir alle sehr viel dabei lernen werden.

HANS: Warum hast Du die Falsche Polenroute und nicht die Normalroute für diese Expedition ausgesucht?

PATRICIA: Zum einen, weil ich die Normalroute schon so oft begangen habe und zum andern, weil ich die Falsche Polenroute einfach interessanter finde. Wir haben vor, den Aufstieg über die Falsche Polenroute zu machen und über die Normalroute abzusteigen. Dies erlaubt es uns, den Berg praktisch zu umrunden. Ich habe das so schon das ein oder ander Mal gemacht, es ist einfach atemberaubend! Für mich ist das die mit Abstand attraktivste Variante. Hinzu kommt, dass die Falsche Polenroute viel weniger frequentiert ist, man muss den ein oder anderen Flusslauf überqueren, es hat etwas mehr Vegetation ...

HANS: Was sind Deiner Meinung nach die Stärken und Schwächen einer reinen Frauengruppe?

PATRICIA: Das kann man so allgemein nicht sagen, das hängt in erster Linie natürlich von den Teilnehmerinnen ab. Auf jeden Fall wird es aber ein unvergessliches Erlebnis und eine wichtige Erfahrung.

HANS: Würdest Du einer Bergsteigerin empfehlen, an solch einem Projekt teilzunehmen?

PATRICIA: Auf jeden Fall! Heutzutage ist es ja fast unmöglich solch ein Erlebnis unter Frauen zu teilen. Es tut auch gut, mal festzustellen, dass es noch andere Frauen gibt, die die gleichen oder ähnliche „ungewöhnlichen“ Interessen haben wie man selber. Wir werden Erlebnisse, Freude und Ängste teilen. Doch vor allem werden wir eine tolle Zeit zusammen haben und wenn das Wetter mitspielt und wir auch sonst das nötige Glück haben, werden wir auch unser Bergziel erreichen.


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